
29.06.2010
| Rudolf Leopold ist tot | |
| Überraschendes Ableben des Kunstsammlers | |
Prof. Dr. Rudolf Leopold, am 1. März 1925 in Wien geboren, ist heute, Dienstag, im Alter von 85 Jahren nach kurzem Leiden verstorben. Noch vor wenigen Tagen hatte Rudolf Leopold den Tod des Sammlerfreundes Hans Dichand mit den Worten "Er war - wie ich -, ein leidenschaftlicher Kunstsammler", bedauert. Nun hat Österreich mit einem Schlag die zwei wichtigsten Sammler der Klassischen österreichischen Moderne verloren. Ebenfalls heuer hatte Rudolf Leopold der Tod des Schweizer Sammlerkollegen Ernst Beyeler, dessen Museum Kooperationspartner für die Herbstausstellung des Leopold Museum ist, tief getroffen.Rudolf Leopold hat in einzigartiger Weise für die Anerkennung der österreichischen Kunst des Expressionismus und im speziellen jene des Genies Egon Schiele gekämpft. Innerhalb weniger Jahrzehnte trug der Augenarzt Leopold mit seiner Frau und Partnerin Elisabeth eine einzigartige Sammlung von mehr als 5000 Kunstwerken zusammen, die 1994 von Leopold in die Leopold Museum-Privatstiftung eingebracht wurde. Stiftungszweck: Erhaltung der Stiftung auf Dauer Bund und Österreichische Nationalbank hatten die Gründung der Stiftung Leopold ermöglicht. Zu einem Drittel ihres Wertes wurde sie 1994 um rund 2,2 Milliarden Schilling (160 Millionen Euro) in die Stiftung eingebracht. Zweck der Stiftung ist es, die vom Stifter gegründete Sammlung auf Dauer zu erhalten, der Öffentlichkeit durch den Betrieb eines Museums zugänglich zu machen, zu dokumentieren und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Ziel ist es, insbesondere die in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene "Moderne" in ihrer Bedeutung für die kulturelle Entwicklung Österreichs darzustellen. Beitrag zur österreichischen Identität Dr. Hannes Androsch meinte anlässlich Prof. Leopolds 85. Geburtstages, Rudolf Leopold habe "Unglaubliches zur österreichischen Identität beigetragen. Dr. Erhard Busek bezeichnet 1994 den Ankauf der Sammlung als eine der größten kulturpolitischen Taten der Zweiten Republik" und meinte: "Wer in Zukunft einmal Auskunft haben will über die Biographie Österreichs im 20. Jahrhundert, wird an der Sammlung Leopold nicht vorbeikönnen." Leopold: sensibel, genial, leidenschaftlich "Was mich nicht erregt, interessiert mich nicht", hielt Rudolf Leopold einmal fest. Rudolf Leopold pflege mit dem Sammeln seinen "Wahnsinn", meinte Architekt Gustav Peichl kürzlich. Erregung, Wahnsinn, Genie und Leidenschaft, diese Worte beschreiben das Wesen Rudolf Leopolds wohl am besten. Wenn er über Schiele sagte, dass er sich als das dargestellt habe, was er war, ein hypersensibler Mensch und Künstler, dann trifft das in hohem Grade auch auf Leopold selbst zu. Er war Schiele in jeder Faser geistesverwandt. Für Peter Weinhäupl, Direktor des Leopold Museums, ist es schwer, den erlittenen Verlust zu beschreiben, doch Trost findet er in folgendem Gedanken: "Wir werden Rudolf Leopold vermissen, aber seiner Leistung ist im Leopold Museum ein einzigartiges Denkmal gesetzt, ein Geschenk an alle Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber dieser Welt." Vorstand der Stiftung tagt morgen Der nun aus drei "Leopold"-Vorstandsmitgliedern und vier "Bundes"-Vorstandsmitgliedern bestehende Stiftungsvorstand wurde für morgen, Mittwochvormittag, einberufen. Rudolf Leopold hat noch vor wenigen Tagen seinen Sohn Dr. Diethard Leopold als Vorstandsmitglied für den scheidenden Dr. Martin Eder berufen. Die Nachfolge des museologischen Direktors der Stiftung wird in den nächsten Wochen vom Stiftungsvorstand bestimmt. Mag. Peter Weinhäupl wurde vor wenigen Wochen als kaufmännischer Direktor bis zum Jahr 2016 verlängert. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Sektionschef Dr. Helmut Moser: "Die Zukunft von Stiftung und Museum ist in der Stiftungsurkunde klar geregelt, wir werden das Werk Rudolf Leopolds würdig weiterführen. Unsere Gedanken sind derzeit aber bei Rudolf Leopold und seiner Familie". | |
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Prof. Dr. Rudolf Leopold, am 1. März 1925 in Wien geboren, ist heute, Dienstag, im Alter von 85 Jahren nach kurzem Leiden verstorben. Noch vor wenigen Tagen hatte Rudolf Leopold den Tod des Sammlerfreundes Hans Dichand mit den Worten "Er war - wie ich -, ein leidenschaftlicher Kunstsammler", bedauert. Nun hat Österreich mit einem Schlag die zwei wichtigsten Sammler der Klassischen österreichischen Moderne verloren. Ebenfalls heuer hatte Rudolf Leopold der Tod des Schweizer Sammlerkollegen Ernst Beyeler, dessen Museum Kooperationspartner für die Herbstausstellung des Leopold Museum ist, tief getroffen.