
02.09.2010
| Einfach Frida | |
Als ich vor vielen vielen Jahren zum ersten Mal einem Selbstportrait von Frida Kahlo gegenüberstand, war ich sofort fasziniert von dieser Frau, die damals hierzulande noch als Anhängsel von Diego Rivera, ihrem Mann, gesehen wurde – so ähnlich wie es Gabriele Münter mit Wassily Kandinsky erging! Gott sei Dank hat sich das Bild geändert und Kahlos Kunst hat jetzt jenen Stellenwert, den sie mehr als verdient. Das Bank Austria Kunstforum auf der Wiener Freyung zeigt bis zum 5. Dezember 2010 mit der „Frida Kahlo Retrospektive“ die erste umfassende Ausstellung über Frida Kahlo in Österreich, die eindrucksvoll beweist, dass sie mehr ist als eine exotische Filmvorlage für das Hollywoodkino.Kahlos Kunst ist untrennbar mit ihrem durch physisches und psychisches Leid geprägten Leben verbunden. Die am 6. Juli 1907 im mexikanischen Coyoacán geborene Künstlerin erkrankt mit 7 Jahren an Kinderlähmung und litt seit Geburt an einer Fehlbildung der Wirbelsäule. Mit 18 Jahren wird sie bei einem Busunfall schwer verletzt. Eine Stahlstange durchbohrt ihren Unterleib. Während der langen Rekonvaleszenz beginnt sie im Bett liegend zu malen. Drei Jahre später lernt sie Diego Rivera kennen und tritt der Kommunistischen Partei bei. Sie heiratet Diego und lebt mit ihm in der Casa Azul. Frida erlebt viel Unglück durch die Seitensprünge ihres Künstlergatten und ihre Fehlgeburten, sie trennen sich mehrmals, bevor sie sich 1939 scheiden lassen, um 1940 wieder zu heiraten. Frida, die selbst Affairen hatte, u.a. mit Leo Trotzki, der mit seiner Frau in der Casa Azul Unterschlupf fand, gelingt es immer mehr, ihren Ruf als Künstlerin zu festigen. Sie hat Ausstellungsbeteiligungen in San Francisco, New York oder Paris. Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich jedoch immer mehr, nach vielen Operationen ist sie ab 1951 an den Rollstuhl gefesselt. 1953 erscheint sie zur Eröffnung ihrer ersten Einzelausstellung in Mexico City auf einer Bahre liegend. Ein Unterschenkel musste ihr nach einer Infektion amputiert werden. Am 13. Juli 1954 stirbt Frida Kahlo. Das malerische und zeichnerische Werk von Frida Kahlo ist anfänglich zart orientiert an der Renaissance, dann surreal und schließlich expressionistisch. Sie zelebriert sich selbst, was zur Mythenbildung entschieden beigetragen hat. Die Ausstellung im Kunstforum – eine Kooperation mit dem Martin-Gropius-Bau Berlin - umfasst 50 Gemälde und 90 Arbeiten auf Papier. Hinzu kommt fotografisches Dokumentationsmaterial, das von Cristina Kahlo, Fridas Großnichte, zusammengestellt wurde. Die Schau ist sensationell und ein absolutes Muss im Wiener Ausstellungsherbst. Einfach Kahlo! Lilly Tampier | |
Frida Kahlo. Die zerbrochene Säule, 1944. Öl auf Hartfaser. Foto © Museo Dolores Olmedo Patino, Xochimilco, Mexiko-Stadt. Werk: Banco de Mexico, Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust, Mexico Nickolas Muray. Frida im magentaroten rebozo, Nickolas Murays Studio, New York 1939. Collection of Nickolas Muray Photo Archives. Foto und Werk: © Nickolas Muray Photo Archives | |
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Als ich vor vielen vielen Jahren zum ersten Mal einem Selbstportrait von Frida Kahlo gegenüberstand, war ich sofort fasziniert von dieser Frau, die damals hierzulande noch als Anhängsel von Diego Rivera, ihrem Mann, gesehen wurde – so ähnlich wie es Gabriele Münter mit Wassily Kandinsky erging! Gott sei Dank hat sich das Bild geändert und Kahlos Kunst hat jetzt jenen Stellenwert, den sie mehr als verdient. Das Bank Austria Kunstforum auf der Wiener Freyung zeigt bis zum 5. Dezember 2010 mit der „Frida Kahlo Retrospektive“ die erste umfassende Ausstellung über Frida Kahlo in Österreich, die eindrucksvoll beweist, dass sie mehr ist als eine exotische Filmvorlage für das Hollywoodkino.
Frida, die selbst Affairen hatte, u.a. mit Leo Trotzki, der mit seiner Frau in der Casa Azul Unterschlupf fand, gelingt es immer mehr, ihren Ruf als Künstlerin zu festigen. Sie hat Ausstellungsbeteiligungen in San Francisco, New York oder Paris.
Das malerische und zeichnerische Werk von Frida Kahlo ist anfänglich zart orientiert an der Renaissance, dann surreal und schließlich expressionistisch. Sie zelebriert sich selbst, was zur Mythenbildung entschieden beigetragen hat. 