10.02.2012
Bücher


04.09.2010
Ein Freund, ein guter Freund …
 
Rost.JPGIn Amerika gibt es viele trostlose Gegenden, aber kaum jemand beschreibt sie so großartig wie Philipp Meyer in „Rost“ (August 2010, Klett-Cotta). Ein gottverlassener Ort in Pennsylvania, der einmal ein wichtiger Standort der Stahlindustrie war (Stahl => Rost), ist die Heimat von Isaac English und Billy Poe. Die beiden Freunde, Verlierer auf der ganzen Strecke, haben genug von ihrem Dahinvegetieren und brechen nach Kalifornien auf, um der Hoffnungslosigkeit zu entkommen. 

Noch in Reichweite ihres Heimatortes kommt es zu einem Zwischenfall, bei dem Isaac in Notwehr einen Mann tötet. Sein Freund Billy war in Gefahr, er musste ihm einfach helfen. Aber Poe’s Jacke bleibt am Tatort. Er geht für Isaac in den Knast, der sich nun allein auf den Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft im Westen macht. Die Schuld hat er im Reisegepäck.

Philipp Meyer zerpflückt gekonnt den amerikanischen Traum. Seine Schreibweise ist zwar anfangs gewöhnungsbedürftig, da die Handlung immer aus der Sichtweise verschiedener Personen vorangetrieben wird, aber hält den Fortgang lebendig. Das Buch atmet die Verzweiflung, die Trümmer eines Lebens und die Hoffnung. Ein großer Roman, keine leichte Lektüre!

Lilly Tampier
<< zurück